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Städte unterliegen steten Transformationsprozessen und können somit als temporäres Konstrukt bezeichnet werden. Eine Form, die diese Temporalität aufgreift ist die Zwischennutzung. Welche Konsequenzen jedoch diese für den städtebaulichen Kontext, seine Anwohner aber auch die Nutzer selbst haben, wird nirgends vertieft behandelt. Aus diesem Grund sollte in dieser Arbeit das allgemeine aber auch langfristige Verhältnis einer Zwischennutzung und ihrer Umgebung untersucht werden: Welche kontextuelle Relevanz hat die Zwischennutzung und wie setzt sie sich mit ihrem Kontext in Verbindung?

Indem der Blick auf die Interaktionen und Abhängigkeiten gerichtet wird, sollte die Rolle des Kontextes, in seiner räumlichen und raumlosen Gestalt, erfasst werden. Aufgrund der Aktualität sowie der lokalen Forschungsnähe wurde dies anhand eines Fallbeispiels in Hamburg thematisiert. Um Zwischennutzung als planerisches Instrument in Betracht zu ziehen, sollte diese in dieser Arbeit aus der lokal-räumlichen Perspektive betrachtet und mit ihrer Umgebung in Verbindung gebracht werden.

Mit Hilfe von vier Impulsmomenten, Ereignissen, die maßgeblich die Zwischennutzung beeinflussten, wurde diese untersucht und im Anschluss mit aktuellen Publikationen zu dieser Thematik verglichen. Dabei wurden aus den Forschungserkenntnissen sogenannte Kontext-Kategorien entwickelt, die das Dazwischen - die Verbindungen von der Zwischennutzung und der lokalen Umgebung beschreiben sollten. Im Zuge der Forschung wurde erkennbar, dass es keine generalisierende Antwort auf die Frage nach der kontextuellen Relevanz von Zwischennutzungen gibt. Eine generelle Übertragbarkeit der Erkenntnisse auf andere temporärer Nutzungsformen und -orte ist nicht möglich. Auch verändert sich der Kontext durch die unterschiedlichen Voraussetzungen für die Zwischennutzungen sowie an dem unterschiedlichen Umgang der Nutzer mit städtischen Gegebenheiten. Die zahlreichen Komponenten des Kontextes müssen in jedem Forschungsfeld neu untersucht werden, somit muss auch die kontextuelle Relevanz der untersuchten Zwischennutzung einzeln beantwortet werden.

Zwischennutzungen sind in jedem Fall ein geeignetes Instrument, das Leerstand temporär vermeidet. Dennoch darf die Wahl und die Entscheidung des Implementierens der Zwischennutzung nicht unbedacht erfolgen; vielmehr gilt es, den unterschiedlichen Bedarf der lokalen Umgebung zu erkennen und eine natürliche Veränderung zuzulassen. Welchen Mehrwert kann ein leerer Ort in eine dichte Stadt bringen? Im Blick auf die Stadt als sich veränderndes Gefüge können Leerstände Räume für Neuordnungen darstellen. So können sich Nutzungen verschieben und auf daraus resultierende Veränderungen reagieren. Schließlich lässt sich sagen, dass es sich bei Zwischennutzungen mit ihren Akteuren um ein komplexes Feld handelt, dass nicht auf kleine, einzelne Komponenten herunter gebrochen werden kann. Ein generalisierender Umgang mit der Thematik ist der falsche Weg, vielmehr steht eine direkte Auseinandersetzung - insbesondere mit den Bedarfen des lokal-räumlichen Kontextes im Vordergrund. Stadt ist keine Ware, sondern ein sich stets neu produzierendes Gefüge seiner Akteure.

DAZWISCHEN - DIE KONTEXTUELLE RELEVANZ VON ZWISCHENNUTZUNG


2013 Maja Mijatovic

Ort: Hamburg

Projekt: Forschungsprojekt

Autorinnen: Katrin Hovy und Maja Mijatovic

Betreuung: Prof. Dr. Michael Koch / Katja Heinecke / Rainer Johann

Endformat: 150+ Seiten Buch

 

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